Dynamo Kiew

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Dynamo Kiew Ultras

Dynamo Kiew war schon zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion einer der erfolgreichsten Fußballvereine des Landes und ist heute der erfolgreichste Fußballclub der Ukraine. Dynamo war 1935 Gründungsmitglied der sowjetischen Gesamtliga und gehörte 1992 – nach dem Ende der Sowjetunion – zu den Gründervereinen der ukrainischen Premjer-Liha. Zig Meistertitel, Pokalsiege, zwei europäische Titel schlagen zu Buche.

In all diesen Jahren und quer durch ihre wechselvolle Geschichte waren die Weiß-Blauen nicht ein einziges Mal zweitklassig – eine Art Hamburger SV des Ostens. Auch wenn die ganz großen Zeiten von Dynamo Kiew vorbei sind, spielt der Verein nach wie vor regelmäßig auch auf europäischer Ebene und gilt als unberechenbarer und schwerer Gegner. Fans von Borussia Mönchengladbach können davon ein Lied singen. Nach 16-ähriger Europacup-Abstinenz bedeutete für die Fohlen im Jahr 2012 bereits das CL-Play-Off gegen Kiew das Ende der Champions League-Träume.

Wer sich ein bisschen im internationalen Fußballgeschäft auskennt und über Dynamo Kiew spricht, dem fällt zuerst der Name Oleg Blochin ein. Er stand von 1969 – 1987 für den vielfachen sowjetischen und ukrainischen Meister auf dem Platz und ist mit 482 Spielen und 211 Toren unangefochtener Rekordspieler und Rekordtorschütze der Kiewer. Auch als Trainer war Blochin bis zur Saison Jahr 2013/14 für Dynamo Kiew aktiv. Mit Platz 4 in der Saisonabschlusstabelle erreichte er die schlechteste Platzierung ever und wurde prompt entlassen.

olympiastadion_dynamo_kiewOlympiastadion Kiew Aussenansicht, Dynamo Kiew
Olympiastadion Kiew
Olympiastadion Kiew
Zentral mit Cafés, Bars, Hotels
-12. August 1923
-08. Oktober 2011 (Neubau)
1941, 1966–1968, 1978–1980, 1997–1999, 2008–2011
100.000 Plätze (1967)
70.050 Plätze
19.255 (Saison 14/15)
Süd-West-Ecke, Blöcke 1, 3, 5

Trotz überragender Verdienste im Westen weit weniger bekannt ist Walerji Lobanowski, der Dynamo Kiew und den ukrainischen Fußball so nachhaltig geprägt hat wie kein anderer. Zunächst als Spieler, aber vor allem als Trainer war er ab 1974 derjenige, der der Mannschaft von Dynamo Kiew über viele Jahrzehnte hinweg seinen Stempel aufdrückte. Ein „Held unserer Zeit“, ein „epochaler Mensch“ titelten die ukrainischen Gazetten, als Lobanowski im Jahr 2002 starb. Alle großen Stars des ukrainischen Fußballs – auch Oleg Blochin – haben unter ihm gespielt.

Lobanowski – der „Rote“, wie er wegen seiner Haarfarbe genannte wurde – interessierte sich für Mathematik und Kybernetik interessierte, ging mit wissenschaftlicher Akribie an seine Aufgabe heran und war einer der ersten, der digitale Technik zur Spielanalyse nutzte. Bis heute gilt er als einer der Väter des modernen Kombinationsfußballs. Der „große Schweiger von Kiew“ war Mitbegründer des riesigen Trainingszentrums in Kiew und trainierte zuletzt gleichzeitig Dynamo Kiew und die ukrainische Nationalmannschaft. Das alte Heim-Stadion von Dynamo Kiew ist nach Lobanowski benannt. Seit dem Jahr 2011 trägt der Verein seine Heimspiele jedoch im riesigen Olympiastadion aus. Mit 70.000 Zuschauern Fassungsvermögen ist das Stadion NSK Olimpijskyj – das zwischendurch auch schon mal den Namen von Stalin, Chrustschow oder Lenin trug – ist das größte Stadion des Landes und liegt mitten im Zentrum von Kiew. Zur EM 2012 wurde das bereits 1923 erbaute und mehrfach renovierte Stadion generalüberholt und grundständig modernisiert. In der nach Außen prachtvollen, Innen eher schlicht und funktionalen Schüssel wurde auch das Endspiel der EM 2012 ausgetragen.

Ultraszene von Dynamo Kiew

Dynamo Kiew hat eine ausgeprägte Ultraszene, die als gewaltbereit gilt. Erzrivale ist Schachtor Donezk. Die Halbfinal-UEFA-Cup-Niederlage im Jahr 2009 trug nicht unerheblich dazu bei, die alte Rivalität weiter zu festigen. Trotzdem geht es auch anders: Während der ukrainischen „Revolution“ in den Jahren 2013 und 2014 waren Fanlager beider Vereine bei den Demonstrationen dabei und beteiligten sich an der Besetzung des Majdans. Für die Dauer der Proteste war Burgfrieden vereinbart.

Dynamo Kiew: Abenteuer-Auswärtsfahrt

In Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, leben über 2,5 Millionen Menschen. Mitten durch die Stadt fließt der Dnepr. Viel Grün steht hier neben viel Beton, die Moderne neben Zerfall und all das wird zusammengehalten von einer bunten, sehr lebendigen Szene. In der Stadtkulisse mischt sich sachlicher Klappkastenstil mit bunten Türmchen und ziselierten Gebäuden im sowjetischen Zuckerbäckerstil. Abseits der der großen Plätze strahlt die Stadt einen melancholischen Charme aus, den es sich – vielleicht gerade als Kontrast zum Stadionerlebnis – zu entdecken lohnt. Tipp zur Einstimmung auf die Abenteuer-Auswärtsfahrt nach Kiew: Ein kleiner Band mit Fußballgeschichten, der anlässlich der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine erschienen ist. „Wodka für den Trainer“ gibt Einblick in die ukrainische Fußballseele und enthält z.B. auch eine Hommage an die Stadt Kiew.

Apropos Wodka: Nicht nur der Trainer im Buch, auch der Fußballgast wird in der Ukraine kaum an diesem Getränk vorbeikommen können (oder wollen). Ernährungstechnisch bleiben ebenfalls keine Wünsche offen – von der Pizza bis zum Sushi gibt es im Zentrum alles, was das westliche Herz begehrt. Wenn man schon mal da ist, sollte man als Alternative zur Bratwurst vielleicht einfach mal Wareniki probieren – kleine, sehr leckere Pasteten, die mit Käse- oder Fleisch , wahlweise auch mit Obst gefüllt sind. Ebenfalls einen Versuch wert, ist das Kiewer Kotelett, das gar kein Kotelett ist, sondern aus Hühnchenfleisch besteht und auch als “ Chicken Kiew“ auf der Speisekarte zu finden ist. Das vor mehr als 100 Jahren importierte Gericht, ist längst eingebürgert und – neben dem klassischen Borschtsch – fast so etwas wie ein heimliches Nationalgericht.

Die komfortabelste Anreise zum Auswärtsspiel bei Dynamo Kiew ist die mit dem Flugzeug, aber auch mit dem Bus kann man kostengünstig – für ca. 80 Euro – von Deutschland aus in die Ukraine gelangen. Allerdings sollte man dann rechtzeitig losfahren: Der Bustrip von Frankfurt aus muss mit ca. 40 Stunden veranschlagt werden. Die Bandbreite an Übernachtungsmöglichkeiten in der Kiewer Innenstadt ist groß – vom 5 Sterne-Hotel bis zum Low Budget-Hotel ist alles dabei. Es lohnt sich, bei der Touristenzentrale nach privaten Übernachtungsmöglichkeiten zu fragen. Während der EM hatte der ukrainische Fußballverband etwas außerhalb von Kiew ein Fußballcamp eingerichtet. Lebe wild und gefährlich – je nach Abenteuerlust ist also auch Zelten eine Option.

Übrigens: Ruslana ist zwar kein Fußballer, sondern eine Sängerin, aber sie hat trotzdem einiges dafür getan, dem reisewilligen Fußballfan die Auswärtsfahrt nach Kiew zu erleichtern. Seitdem sie im Jahr 2005 den Eurovision Song Contest gewonnen hat, gilt bei der Einreise in die Ukraine für EU-Bürger keine VISA-Pflicht mehr. Check!

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