Trabzonspor Kulübü

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Der in der Hafenstadt beheimatete Fußballclub Trabzonspor Kulübü wurde 1967 gegründet. Der Profiverein entstand aus einer Fusion von drei Amateur­vereinen aus der Region Trabzon. Er gehört neben den drei großen Istanbuler Klubs zu den jährlichen Titelanwärtern auf die Meister­schaft in der Süper Lig und ist neben Bursaspor bisher der einzige Verein der den Meisterschafts­pokal aus der Bosporusmetropole entführen konnte. Zuletzt jedoch sorgte Trabzonspor nach Ausschreitungen und Übergriffe auf einen Schiedsrichter für unrühmliche Schlagzeilen.

Sechsfacher türkischer Meister

Während Trabzonspor International noch bislang titellos blieb, konnten sie auf nationaler Ebene bereits mehrfach Titelsiege einfahren. Vor allem in der glorreichen Zeit, von Mitte der 70er bis Mitte der 80er konnten sie sechs Mal die Meisterschaft in der Süper Lig feiern. Zudem konnten die Anhänger Trabzonspors im gleichen Zeitraum drei Pokalsiege bejubeln. In der Folge kamen noch fünf weitere Pokalsiege hinzu, zuletzt im Jahr 2010. Eine weitere Meisterschaft blieb Trabzon jedoch verwehrt.

Pokal_Trabzonspor

2011 war man nah dran und wurde in letzter Minute „nur“ Vizemeister. Wie sich doch später herausstellen sollte, war der damalige Titelträger Fenerbahce Istanbul in einem der größten Manipulationsskandal der Geschichte verstrickt. Mit dem Ergebnis, dass der damalige „Fener“ Präsident Aziz Yildirim aufgrund der Manipulation von Spielen, den Gang ins Gefängnis antreten musste. Zudem wurde Fenerbahce von der UEFA für drei Jahre, ab der Saison 2013/14, von allen europäischen Klubwettbewerben ausgeschlossen. Doch zum Unmut der Anhänger Trabzonspors, behielt Fenerbahce den Meisterschaftstitel. Darin begründet liegt eine anhaltende tiefe Feindschaft zwischen beiden Lagern – der Vereine Trabbzonspor und Fenerbahce Istanbul.

Skandale begleiten Trabzonspor

Die weitreichenden Folgen der gesteigerten Rivalität waren jedoch nicht abzusehen. So wurde 2012, nachdem Fenerbahce Kapitän Belözglu einen Spieler von Trabzon rassistisch beleidigt hatte und vom Verband nur unzureichend gesperrt wurde, das Rückspiel zu einer Farce. Spieler beider Vereine traten nur durch grobe Fouls und Tätigkeiten in Erscheinung. Anfang 2015 wurde der Mannschaftsbus von Fenerbahce beschossen, als die gerade auf dem Rückweg nach dem 5:1-Sieg bei Caykur Rizespor Richtung Trabzons Flughafen fuhren. Die Tat konnte nie aufgeklärt werden, jedoch führen aller Kenner der Szene die Tat auf die zugespitzte Rivalität beider Vereine zurück. Nur ein Jahr später sprang im Heimspiel gegen Fenerbahce, ein Mann in der Nachspielzeit ohne ersichtlichem Grund dem Torrichter in den Rücken und prügelte auf ihn ein. Kurz darauf flogen Gegenstände und es kam zu weiteren Ausschreitungen. Das Spiel musste abgebrochen werden. Trabzons Torwart verließ bereits zuvor eigenmächtig den Platz und legte symbolisch sein Trikot und seine Handschuhe nieder.

Aufbruch in eine bessere Zukunft: Mit neuem Präsidenten und neuem Stadion

Derzeit vollziehen sich bei Trabzonspor grundlegende Neuerungen. Seit Anfang 2016 bekleidet Muharrem Usta das Amt des Präsidenten bei Trabzonspor. Vordergründig arbeitet der neue Präsident intensiv daran, den verschuldeten Schwarzmeerclub wieder auf ein gesundes wirtschaftliches Fundament zu stellen. Im Hintergrund treibt er darüber hinaus einen grundlegenden Strukturwandel des türkischen Fußballs voran. Er genießt sowohl bei den Anhängern Trabzonspors als auch beim türkischen Verband TFF, großen Kredit. Auch die Heimstätte ist künftig eine andere. So zieht Trabzon nach über 40 Jahren aus dem Hüseyin Avni Aker Stadion in das komplett neu errichtete Akyazi Stadion.

Akyazi Stadi
Akyazi Stadi
Akyazi, Merkez – Trabzon
Trabzon
August 2016
Neubau
41.513 Plätze
8.195 (Saison 15/16)
Noch unbekannt

Akyazi Stadi – Spielstätte von Trabzonspor

Die Spieler von Trabzonspor tragen künftig ihre Heimspiele im Akyazi Stadium aus. Es beerbt damit das Hüseyin Avni Aker Stadion in dem der Klub vom Schwarzmeer zuvor seine Spiele ausgetragen hat. Für das neue hochmoderne Stadion, wurde eigens künstliche Landmasse aufgeschüttet. Auf dem künstlich errichteten Areal das sich an der Küste vom Schwarzen Meer, im Ayazi Gebiet, westlich der Stadt Trabzon befindet, wird das Stadion Teil eines großen Komplex welches auch andere Sport- und Regenerationsanlagen umfasst. Darunter 3 000 VIP-Plätze und 122 VIP-Boxen. Das vollständig überdachte Stadion bietet etwa 41.500 Zuschauern Platz. Der Gästebereich kann bis zu 4.000 mitgereiste Auswärtsfahrer beherbergen.

Deutsche Architekturkunst

Das deutsche Architekturbüro ASP zeichnet sich für den Bau verantwortlich. Anfangs gab es leichte Kritik am Entwurf, da das Stadion die gleiche architektonische Form aufweist, wie das neue Stadion des FSV Mainz 05. Doch zusätzlich ist das Stadiondach des Akyazi, an die Gegebenheiten des an der Schwarzmeerküste gelegenen Stadions, angepasst worden. Mit transluzenten Membranen die über Stahlrahmen gespannt wurden, entstand ein einzigartiges, Zelt ähnliche Dreiecksform des Daches. Es dient sowohl als Schutz vor Regen, der Sonneneinstrahlung sowie als Schutzwall vor den starken Windböen an der Schwarzmeerküste.

Temperamentvolle Fans auf halbleeren Rängen

Die Fans von Trabzonspor unterstützen ihr Team auch in schweren Zeiten. Sie gelten als nicht ganz so anspruchsvoll wie die Anhänger der drei großen Istanbuler Klubs. Trabzonspor hat Anhänger in ganz Europa: „bize her yer trabzon“ (Für uns ist Trabzon überall) hat sich als Schlachtruf bei internationalen Auftritten Trabzons etabliert. Doch aufgrund der Manipulation von Spielen, den Gang ins Gefängnis antreten musste. Zudem wurde Fenerbahce von der UEFA für drei Jahre, ab der Saison 2013/14, von allen europäischen Klubwettbewerben ausgeschlossen. Doch zum Unmut der Anhänger Trabzonspors, behielt Fenerbahce den Meisterschaftstitel. Aber auch viele gemäßigte Anhänger hält eine personalisierte Karte von einem Besuch ab. So kommen im Schnitt nur etwa 8.000 Zuschauer ins Stadion. Allerdings versprechen sich die Offiziellen von Trabzon durch den Umzug in das neue Stadion einen deutlichen Anstieg der Zuschauerzahlen.

Wissenswertes und Tipps für Auswärtsfahrer

Die Anreise zum Stadion gestaltet sich sowohl mit dem öffentlichen Nahverkehr, als auch mit dem Auto gut. Das neu geschaffene Areal an der Schwarzmeerküste hat eine gute infrastrukturelle Anbindung und bietet ausreichend Parkplätze. Normalerweise empfehlen wir an dieser Stelle ein Besuch mit den jeweiligen Lokal,- oder Erzrivalen. Jedoch aufgrund der zuletzt zugetragenen Ereignisse möchten wir aus Sicherheitsgründen davor warnen. Wer jedoch sich dieses Duell nicht entgehen lassen will, dem empfehlen wir in neutraler Kleidung ins Stadion zu gehen.

Hagia_Anna_Trabzon

Dafür bietet jedoch die Region an der westlichen Schwarzmeerküste und der neue Multikomplex rund ums Akyazi Stadion umso mehr. Neben gleich sieben Fanshops, findet man auch viele Cafés, Lounges und Restaurants vor. Gleich neben dem Komplex lädt die knapp 250.000 Menschen umfassende Hafenstadt Trabzon mit ihrer Geschichtsträchtigen Altstadt und der wunderbaren Natur am Schwarzen Meer, zum Verweilen ein. So findet man neben den weitläufigen Schwarzmeerstränden auch die bekannte byzantinische Kathedrale Hagia Sophia, vor. Nachfolgend haben wir noch ein paar weitere Empfehlungen in unseren Kurztipps für Euch zusammengestellt.

Tipps:

  • Zum Shoppen: Forum Trabzon – das größte Einkaufszentrum der Region
  • Fürs Auge: Der Hausberg Boztepe von dem man den schönsten Ausblick über Trabzon hat
  • Gegen den Hunger: Bordo Mavi Balik überzeugt mit traditioneller schwarzmeerkost
  • Für Abenteurer: Livera Camping – Bei schönem Wetter Camping statt Hotel

Bekannte Fußballer und ein Flügelflitzer

Neben bekannten Fußballgrößen wie Jean-Marie Pfaff, Rigobert Song, Burak Yilmaz oder den hier zu Lande bekannten brasilianischen Dribbler Marcelinho, die alle das Trikot Trabzons trugen, ist vor allem der ehemalige Nationalspieler Guineas Ibrahima Yattara zur Kultfigur avanciert. Über acht Jahre zierte das Trikot von Trabzonspor seinen Körper und wurde innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsliebling. Besonders seine schnellen trickreichen Dribblings verzückten die Fans. Über mehrere Jahre war der torgefährliche Flügelspieler einer der wichtigsten Stützen im Team von der Schwarzmeerküste.

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