Arsène Wenger – ein Denker und Lenker

0
307
Arsène Wenger

Er ist ein Mann, den man sofort mit dem FC Arsenal London verbindet. Die Ära des Arsène Wenger beim englischen Top-Klub begann 1996 und dauert mittlerweile 21 Jahre an. Eine ähnlich lange Amtszeit ist gerade bei europäischen Spitzenklubs eine Seltenheit. Zuletzt stand Wenger wieder häufiger in der Kritik – der Status des ewigen Arsène bei Arsenal bröckelt. Doch wie hat es dieser ehemalige Durchschnittsfußballer eigentlich so weit gebracht?

Der heute 67-jährige Arsène Wenger wurde am 22. Oktober 1949 in Straßburg als drittes und letztes Kind von Louise und Alphonse Wenger geboren. Im Alter von sechs Jahren war das Interesse für den Fußball schon sehr ausgeprägt, sodass er mit seinem Vater ins Stadion ging, wann immer er konnte. Das Zuschauen reichte Wenger nicht lange aus, er wollte selbst Fußball spielen. Aber der Franzose musste den Sport mit der Religion vereinbaren. Da er auf einer katholisch geprägten Grundschule war, musste er um Erlaubnis bitten, dass Abendgebet auszulassen. Nur mit dieser Erlaubnis war es Arsène Wenger möglich, abends mit anderen Jungs zu kicken. Im Dorf Duttlenheim, wo er aufwuchs, gab es zu wenige Spieler für eine Jugendmannschaft. Deswegen spielte Wenger erst mit zwölf Jahren in einer Vereinsmannschaft.

Ein junger Spieler mit dem Trainer-Spirit

Mit 16 Jahren schaffte Arsène Wenger den Sprung in die erste Herrenmannschaft des FC Duttlenheim. Da der Verein aus dem Elsaß zu der damaligen Zeit keinen Trainer hatte, übernahm Wenger schon früh Verantwortung. Mit seiner Intelligenz und seinem Spielverständnis gewann er den Respekt seiner Mitspieler und hatte sofort das Sagen auf dem Platz – auch ohne Kapitänsbinde und Traineramt. Der damals beste Amateurverein der Region wurde auf ihn aufmerksam und verpflichtete den 20-jährigen Wenger. Da die große Fußballerkarriere jedoch in weiter Ferne schien, konzentrierte er sich zunächst auf sein Wirtschaftsstudium, welches er an der Universität Straßburg erfolgreich abschloss. Als junger Student war Arsene Wenger im Kader für die Studenten-WM 1976, konnte aber verletzungsbedingt kein einziges Spiel bestreiten. Er konzentrierte sich auf die taktischen Aspekte und übernahm von außen quasi die Rolle eines Co-Trainers.

Nach mehreren Stationen bei unterklassigen französischen Vereinen wie AS Mutzig, Mulhouse und Vauban Straßburg, wechselte Arsène Wenger zu seinem letzten Klub: Racing Straßburg. Bei seinem neuen Verein erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere, als er im Jahr 1978 das einzige Mal im UEFA-Cup spielte – gegen den MSV Duisburg (0:4). Anschließend rückte die Spielerkarriere des Taktik-Freaks zunehmend in den Hintergrund, bis er sie 1981 beendete und Jugendtrainer bei Racing wurde. Nur zwei Jahre später bekam Wenger seinen ersten Job als Co-Trainer des Zweitligisten AS Cannes.

Vom Zweitliga-Coach zur Trainer-Ikone

Wengers Trainertalent und seine gute Arbeit blieben nicht lange unbemerkt. Es folgte ein Angebot des Erstliga-Klubs AS Nancy, das er annahm. In seinen ersten beiden Jahren als Chef-Coach konnte Arsène Wenger das Saisonziel Klassenerhalt erreichen. Im dritten Jahr stieg er mit dem AS Nancy ab, wechselte im selben Jahr (1987) zum AS Monaco. In seiner ersten Saison bei Monaco feierte Wenger die französischer Meisterschaft und gewann ein Jahr später den französischen Pokal. In den folgenden Jahren blieb er ohne Titel, weshalb ihn der Verein 1995 nach einem verpatzten Saisonstart feuerte. Arsène Wenger coachte anschließend den japanischen Verein Nagoya Grampus mit dem er den japanischen Pokal und Superpokal holte. 1996 wechselte er schließlich zum FC Arsenal dem er bis heute – insgesamt 21 Jahre – die Treue hält.

Arsène Wenger und Arsenal London

Arsène Wenger Arsenal London

Schon in seiner zweiten Saison gelang ihm in England der dreifache Triumph mit Meisterschaft, Pokalsieg und Superpokalsieg. Bis heute konnte Arsène Wenger in 21 Spielzeiten insgesamt drei Mal die Meisterschaft feiern, sechsmal den FA-Cup holen und viermal im englischen Superpokal triumphieren. Auf internationaler Ebene erreichte er zum ersten Mal in der Klubgeschichte ein Champions-League-Finale (2006), das allerdings gegen den FC Barcelona verloren wurde (1:2). Seine Erfolge machten ihn nicht nur zur Vereinslegende, sondern bescherten ihm auch diverse Angebote ausländischer Top-Klubs. Aber Wenger hielt seinem Verein die Treue. Für ihn war die englische Liga schon immer der passende Ort, da England das Mutterland des Fußballs ist. Die Leidenschaft und die Liebe zum Fußball seien dort enorm groß, betonte Wenger.

„Zu Real Madrid ginge ich nur, wenn ich als Penner auf der Straße leben würde.“

(Arsène Wenger)

Optimismus als Geheimrezept

Arsène Wenger feiert

„The main quality is, to be an optimist.“ Für Arsène Wenger ist das Entscheidende an seinem Job als Trainer, dass man optimistisch ist. Als er vor der Saison 2003/04 das Ziel ausgab, kein Premier-League-Spiel zu verlieren, wurde er belächelt. Es folgte eine sensationelle Saison, in der Arsenal London ungeschlagen blieb – mit 26 Siegen und 12 Unentschieden. Nach Preston North End (1988/89) war das Team von Arsène Wenger erst die zweite Mannschaft, die zu „The Invincibles“, die Unbesiegbaren, wurde.

Arsène Wenger abseits des Platzes

Der 67-jährige lebt seine Leidenschaft. Er ist nicht nur Trainer, wenn er gerade seine Mannschaft betreut. Auch nach dem Feierabend liebt es Wenger, sich mit dem Fußball zu beschäftigen. Er analysiert Videoaufnahmen, entwickelt neue Spielideen und erweiterte seine Philosophie. Ansonsten trägt Arsène Wenger sein Privatleben nicht an die Öffentlichkeit. Was man weiß ist, dass er eine Tochter namens Lea hat. Sie wurde 1997 als einziges Kind von Wenger und seiner Ex-Frau Annie Brosterhous geboren. Nachdem das Paar 2010 heiratete, ließen sich die beiden fünf Jahre später wieder scheiden. Steht jetzt nach den vergangenen Krisen-Wochen beim FC Arsenal London die nächste Trennung für Arsène Wenger an? Klar ist, selbst wenn es dazu kommen sollte, würde er nicht Trainer von Real Madrid werden, denn „zu Real Madrid ginge [er] nur, wenn [er] als Penner auf der Straße leben würde.“

Bildquellen: Ronnie Macdonald via flickr, Ronnie Macdonald via flickr, joshjdss via flickr