Früher nannten wir das Europapokal der Landesmeister

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Millionen Fußballfans in Deutschland halten jahrzehntelang treu zu Vereinen, die mehr oder weniger erfolglos in unteren Ligen verschwinden. Was bleibt ihnen, was bleibt uns da anderes übrig, als einen Blick auf die glorreiche Vergangenheit dieser Vereine zu werfen. Wir möchten eine Geschichte rund um zwei Vereine erzählen, die zu Beginn der Saison 2015/2016 in der ersten DFB-Pokal Runde aufeinandertrafen. In einem kämpferischen Spiel siegte darin der zweitklassige 1. FC Kaiserslautern gegen den Drittligisten Hansa Rostock im Elfmeterschießen knapp mit 5 zu 4. An diesem warmen Sommertag standen sich zwei Vereine gegenüber, welche sich als die letzten deutschen Vertreter des altehrwürdigen Europapokals der Landesmeister bezeichnen dürfen.

37 Jahre Cup der Landesmeister

Europacup der Landesmeister 1991/92. Zum letzte Mal findet der “Cup der Landesmeister” statt. Der Nachfolgewettbewerb des Messepokals wurde ab 1955 zwischen den jeweiligen Landesmeistern ausgespielt – mit einigen wenigen Ausnahmen gab es mal zwei Teilnehmer aus einem Land, so zum Beispiel 1955/56 als Saarbrücken als Saarlandmeister neben Rot Weiss Essen antreten durfte. In den Jahren 1975/76 und 1976/77 gab es die kuriose Situation, dass zwar Gladbach als Landesmeister qualifiziert war, in beiden Jahren sich aber auch Bayern München als Titelverteidiger qualifizierte. Zu guter letzt trat die Situation auch Anfang der 90iger nach der Wiedervereinigung Deutschlands auf.

Die erste Saison, die vollständig im wiedervereinigten Deutschland begann, war die Saison 1991/1992, erst ab dann waren Ost und Westliga vereint. Der letzte Meister der DDR-Oberliga hieß überraschend Hansa Rostock. Qualifiziert für den Europapokal waren somit zwei Landesmeister – der 1. FC Kaiserslautern als Sieger der Bundesliga und Hansa Rostock, der letzte Meister aus der DDR Oberliga. Der FCK, in der Ära Fritz Walter so etwas wie ein deutsches Real Madrid, hatte schwere Zeiten hinter sich und erlebte unter Trainer Kalli Feldkamp nun ein triumphales Comeback. Der Betzenberg brannte wieder!

Losfee zieht die zweite spanische Großmacht: “Barca”

Im Cup der Landesmeister meinte es das Schicksal nicht besonders gut mit Hansa. Gleich in Runde 1 bekamen die Norddeutschen den FC Barcelona zugelost. “Barca” hatte auf nationaler und internationaler Bühne lange Jahre im Schatten der „Königlichen“ gestanden. In den siebziger und achtziger Jahren beutelten Krisen, Intrigen und Skandale den Club, so dass sogar die Gefahr bestand den Platz hinter Real zu verlieren. Und dann kam Johann Cruyff zurück. Der Holländer, der Barcelona als Spieler in der Saison 1973/74 zur Meisterschaft und in den Europapokal der Landesmeister geführt hatte. Als Trainer formte Cruyff in kürzester Zeit ein „Dreamteam“, das in der Saison 90/91 in das Finale des Europapokals der Pokalsieger einzog, dort allerdings ManU mit 2:1 unterlag. Aber Barcelona war wieder ganz oben und attackierte jetzt im Cup der Landesmeister – zunächst gegen Rostock.

Hansa-Sieg gegen Barca reicht nicht – Drama auf dem „Betze“

Der Modus sah damals zwei Qualifikationsrunden für eine dann äußerst lukrative Gruppenphase vor. Die Verweildauer des letzten Meisters Ost im Cup der Landesmeister war nur von kurzer Dauer. Hansa gewann sein Heimspiel nach hartem Kampf sensationell mit 1:0 gegen das Team von Pep Guardiola. Vor 8.500 Zuschauern versenkte Michael Spiel einen Flugkopfball für den letzten DDR-Meister. Im Tor stand damals Andoni Zubizarreta. Im Rückspiel verlor Hansa als krasser Außenseiter im Stadion Camp Nou mit 0:3.

Und wie es der Zufall wollte: Auch die Runde zwei im Cup der Landesmeister brachte ein deutsch-katalanischen Duell. Der FCK musste zuerst auswärts antreten – verlor chancenlos mit 2:0. Aber dann kam der 6. November 1991 und mit ihm eines jener Dramen, für die der Betze in den guten alten Zeiten berühmt war.

Im Stadion herrschte eine Stimmung, für die die Bezeichnung „Hexenkessel“ eine Untertreibung wäre. Die Lauterer überrannten Barcelona siebzig Minuten lang und führten nach 76 Minuten 3:0. Aber einfach aufgeben – das war nicht das Ding des Dreamteams um den holländischen Superstar Ronald Koeman. Barca blieb im Spiel und in der 90. Minute zirkelte Koeman einen Freistoß in Richtung Lauterer Strafraum, den Brakero irgendwie mit dem Kopf erwischte und im Netz versenkte. Aufgrund der Auswärtstorregel waren die „Roten Teufel“ draußen. An diesem Tag war der Fußballgott kein Pfälzer. Dennoch wollten die Fans das Stadion nicht räumen und feierten ihre Mannschaft noch lange nach dem Abpfiff. Eine „Niederlage“, die ein Triumph war, und auch noch knapp 25 Jahre später als Glanzstunde der Pfälzer vergöttert wird . Ach ja, Barca wurde übrigens Europacupsieger gegen Sampdoria Genua und beendete so das vielleicht glanzvollste Kapitel des europäischen Vereinsfußballs: den Europapokal der Landesmeister. Und Barca blieb bis heute ganz oben, während der FCK in der zweiten Liga dümpelt und von den großen alten Zeiten träumt, als der Berg noch brannte.