Liebe UEFA – lasst uns stehen!!!

0
819
Amsterdam Arena Sitzreihe

Vor gut 2 Jahren erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel mit der Überschrift „Ich akzeptiere nie wieder Stehplätze“. Diese Zitat stammt vom Franzosen Michelle Platini, UEFA-Präsident und ehemaliger Profifußballer. Er spielte im Pokalfinale der Landesmeister 1985 für Juventus Turin gegen FC Liverpool, schoss das 1 zu 0 Siegtor für Juventus und erlebte die Katastrophe von Heysel mit 39 Toten und hunderten Verletzten aus nächster Nähe. Daher ist die persönliche Einstellung von Herrn Platini sehr gut nachvollziehbar – aber ist das Stehplatzverbot der UEFA unter objektive Kriterien haltbar. Ist die Einstellung der UEFA diesbezüglich noch zeitgemäß?

Stehplatzinsel Bundesliga

Als zu Beginn der 90iger Jahre die UEFA den Willen bekundete, europaweit Stehplätze zu verbieten erinnere ich mich noch an den lautstarken Protest aus meiner Fangemeinde. Als Fan des 1. FC Kaiserslautern war ich damals – für die jüngeren Leser kaum noch vorstellbar – auf einem UEFA-Cup Spiel meines Vereins gegen irgendeine eher unbedeutende Mannschaft aus Skandinavien. Was für mich damals bemerkenswert war: Der harte Kern verließ während des Spiels die mit Klappsitzen ausgestattete Westkurve und zog gen Ostkurve in den eigentlich gesperrten Block 5, damals noch ein reiner Stehblock mit den obligatorischen Wellenbrechern und eigentlich ein No-Go als Westkurvler.

Wir kommunizierten lautstark unser Anliegen, doch bitte bei einem Fußballspiel stehen zu dürfen und hielten dabei Schilder hoch mit: “Wir wollen Stehen”. Klingt alles nicht so spektakulär, ist es auch nicht, nur war es der Gedanke der sich damals bei mir einbrannte: Keine Chance, bald gibt´s nur noch Sitzplätze. Ich glaubte damals jedenfalls nicht daran, dass sich wir Fans, die Vereins- oder Ligaverantwortlichen, oder wer auch immer das letztlich verhindert hat, gegen das mächtige UEFA-Anliegen durchsetzen würde. Und so ist es fast über 20 Jahre nach meinem Spiel, 30 Jahre nach der Katastrophe von Heysel, eigentlich ein kleines Wunder, dass im Herzen Europas eine kleine “Stehplatzinsel” erhalten geblieben ist – die Bundesliga.

Seit ein paar Jahren sind es nicht mehr nur Fußballnostalgiger aus England, die die Fankultur hierzulande loben. Faire Eintrittspreise, Stehplätze, tolle Atmosphäre und ein Bier mit Umdrehungen, mehr braucht es gar nicht um ein ganzes Land in den Fußballolymp zu loben. Und so erscheinen regelmäßig in ausländischen Medien positive Artikel über eine Liga, in der Herz und Seele noch nicht verkauft wurde. Wir mögen zwar nicht die erfolgreichste Liga mit Mörderspektakel sein, wir haben aber europaweit den höchsten Zuschauerschnitt und im Vergleich mit vielen anderen Ligen eine hervorragende Atmosphäre in den Stadien – und diese kommt vor allem von Fans, die nicht 80€ pro Spiel für ein Ticket ausgeben.

International müssen wir sitzen! Warum?

So weit, so gut. Nachdem Stehplätze in Deutschland fester Bestandteil der Fankultur sind und auch von Funktionären aus Sport und Politik als wichtiger Bestandteil der Bundesliga anerkannt sind, stellt sich mir die Frage: Warum müssen wir international sitzen? Argumente die sich um das Thema “mehr Sicherheit” drehen sind absolut nicht haltbar. Denn niemals würden es die Verantwortlichen in Deutschland samt der Politik zulassen, dass sich Woche für Woche hunderttausende einem erhöhten Sicherheitsrisiko aussetzen. Außerdem: Europaweit stehen zehntausende Zuschauer bei Konzerten von AC/DC, Metallica und Co. dicht gedrängt vor den großen Bühnen. Wo ist da der Unterschied? Also, alles Quatsch – ein sicherheitsrelevantes Thema wird es nicht sein, ein Kulturwandel schon eher. Am deutlichsten ist dies in England zu erkennen, wo es in den Stadien teilweise ruhiger zugeht als in jedem deutschen Regionalliga-Stadion.

Man kann auch ein Stück weit von Wettbewerbsverzerrung sprechen, denn während Madrid, Barcelona und Co. vor ihrem gewohnten Publikum spielen dürfen, werden beispielsweise in Dortmund 15.000 Zuschauer weniger ins Stadion gelassen. Wie gigantisch wäre der ohnehin schon große Druck von der Rängen mit einer vollbesetzten Südkurve?

Bildquellen: Yuri Turkov / Shutterstock.com