Ein Plädoyer für die 50+1-Regel: Wir müssen um unseren Fußball kämpfen!

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Dynamo Dresden Choreographie

Bisweilen verhinderte die 50+1-Regel im deutschen Profi-Fußball die Übernahme der Klubs durch Investoren. Die Bundesliga steht mit dieser Regelung innerhalb der europäischen Top-Ligen alleine da – was von Kritikern der 50+1-Regel als wirtschaftlich ruinös und rechtlich nicht haltbar beschrieben wird, brachte der Bundesliga aber auch viel Lobeshymnen ein. Denn deutsche Fußballvereine behalten bisweilen noch im sowieso schon hyper-kommerziellen Fußballgeschäft noch weitgehend ihre Identität und das was einen Verein im wahrsten Sinne ausmacht. Seine Mitglieder und Fans!

Kurz erklärt: Was ist die 50+1-Regel?

Die „50+1-Regel“ ist in den Statuten des Deutschen Fußball Bundes und der Deutschen Fußball-Liga verankert. Nach ihr können Kapitalanleger in den von Fußballvereinen ausgegliederten Kapitalgesellschaften nicht die Stimmenmehrheit übernehmen.

Ein Fußballverein bekommt also nur dann die Lizenz vom DFB und der DFL erteilt, wenn der Mutterverein 50 Prozent plus mindestens einen weiteren Stimmenanteil in der Versammlung der Anteilseigner besitzt – also weiterhin Herr im Hause ist und Entscheidungen mit eigener Mehrheit fällen kann.

Kreative Konstrukte für Investoren um 50+1 herum

Grundsätzlich müssen die Fußballvereine in der Bundesliga vereinfacht gesagt nur der „Herr im Hause“ sein. Wie das geschieht dafür gibt es keine Vorschriften – und so hat sich ein Wildwuchs an Strukturen und „kreativen Lösungen“ bei den Vereinen entwickelt, die bis hin zur Lex-Leverkusen – einer Ausnahmeregelung für lang engagierte Sponsoren – die 50+1 Regel komplett ausgehebelt haben.

Beim deutschen Rekordmeister besitzt beispielsweise der Mutterverein stolze 75% der Bayern München AG. Die restlichen 25% teilen sich drei Unternehmen: Adidas, Audi und Allianz besitzen jeweils 8,33% der AG. Fremdes Geld gegen Anteile haben sich aber auch viele andere Vereine beschafft. Die Daimler AG investierte im letzten Sommer in die Profiabteilung des VfB Stuttgart 41,5 Millionen Euro und erhielt im Gegenzug etwa zwölf Prozent Anteile. Etwas komplizierter ist der Fall beim BVB, da der Ballspielverein Borussia 09 e. V. eigentlich nur noch knappe fünf Prozent an der Profiabteilung, der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA hält. Der Verein verstößt aber nicht gegen die 50 + 1 Regel, da der Mutterverein mehrheitlich die Stimmrechte hat. Beim BVB ist die Sachlage generell etwas komplexer, da auch Kleinaktionäre Anteile erwerben können. Insgesamt sind 60% der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA im Streubesitz – Großinvestoren sind hier Bernd Geske mit neun Prozent und das Unternehmen Evonik mit knapp 15 %.

Lex-Leverkusen und der Paragraph 16c

In der Satzung des Deutschen Fußball-Bundes gibt es in dem zuletzt viel beschriebenen §16C unter dem Titel „Mitgliedschaft im Ligaverband“ eine Ausnahmeregelung der 50+1 Regelung. Darin steht, dass ein Unternehmen die Stimmenmehrheit des Muttervereins übernehmen darf, sofern das Unternehmen den Verein länger als 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert hat. Dieser Paragraph findet bei Bayer Leverkusen ebenso Anwendung wie beim VfL Wolfsburg und der TSG Hoffenheim mit ihren Geldgebern Volkswagen und SAP-Gründer Dietmar Hopp. Der nächste Verein mit dieser Ausnahmeregelung könnte Hannover 96 sein, dessen Präsident und Sponsor Martin Kind sich bei dem Versuch die Stimmenmehrheit zu erhalten auf seine mehr als 20-jährige finanzielle Unterstützung beruft.

Pro & Contra 50 + 1 Regel

Die Vor- und Nachteile werden landauf und landab aktuell reichlich diskutiert. Dem von Befürwortern häufig gebrachten Argument, dass die Bundesligavereine durch die 50+1 Regelung international nicht mehr mithalten könnte entgegne ich gerne mit dem Fakt, dass die international erfolgreichsten Fußballvereine Real Madrid, FC Barcelona und Bayern München die 50+1-Regel zu einhundert Prozent erfüllen. Der zweite Punkt ist die Tatsache, dass Investoren in der Regel nur eines wollen, und zwar Rendite. Und dies Rendite muss irgendjemand bezahlen. Wir versuchen im folgenden mal die Vor- und Nachteile der 50+1 Regelung möglichst objektiv zu skizzieren.

Rummenigge sieht die Liga in Gefahr

Karl-Heinz Rumenigge sieht die 50+1-Regel der Bundesliga als einen gefährlichen Sonderweg, der den deutschen Fußball international die Konkurrenzfähigkeit berauben wird:

„Wir sind der Letzte von den sogenannten Big Fives in Europa, der sich – ich sag jetzt mal – diesen Luxus in Anführungszeichen noch leistet, dass wir hier keine Mehrheiten in fremdes Kapital oder in Joint Venture oder in was auch immer geben wollen und das ist die große Frage, wie lange ist das aufrecht zu erhalten. Wir haben einen Wettbewerb, den ich persönlich nicht mehr national, sondern global sehe. Und die große Frage ist: Wie lange können wir uns welchen Luxus leisten?“

Kommerz pur: England als schlechtes Vorbild

England als schlechtes Vorbild zu sehen bezieht sich hier nicht auf die sportlichen Aspekte. Da thront der englische Fußball in vielen Bereichen weit über der Bundesliga. Doch die Abkehr der wahren Fans hat längst begonnen. Ein Rückzug in untere Klassen ist zu beobachten und erste Ansätze finden sich auch schon in Deutschland wieder. Mittlerweile gibt es kaum noch einen Fußballverein in England der nicht im Besitz eines reichen Geschäftsmanns ist – selbst in den unteren Ligen kaufen sich Investoren ein. Kein Wunder bei den Renditen die so mancher aus den Vereinen erzielt.

50+1-Regel langfristig als wirtschaftliches Erfolgsmodell

Das Geplapper von der sinkenden Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga spiegelt nur die Argumenation der 50+1 Gegner. Es gibt allerdings auch reihenweise Argumente pro 50+1. Und dazu zählen auch wirtschaftliche Faktoren, 50+1-Regel als Erfolgsmodell im Mittelpunkt einer gesunden Liga. Schon jetzt gehen Studien von einer Pleitewelle englischer Vereine aus. Viele Fans kehren ihren Vereinen den Rücken. Identifikation zwischen Fans und Vereinen auf lange Sicht gegeben. Die Antwort auf Rummenigges Sorge lautet ganz einfach: Scheiß drauf was die anderen machen! Wir wollen keine Zustände wie in England.

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