FC Porto vs Manchester United – 24h auf Achse

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Während eines einwöchigen Groundhopping Trips durch Europa stand auch das Viertelfinale in der Champions League zwischen dem FC Porto und Manchester United auf dem Plan. Unsere Reisebedingungen waren wie folgt: Keine Tickets, keine Übernachtung, kaum Geld.

Anreise nach Porto

Nachdem wir am 08.04.2009 die Schmach der Münchner Bayern in Barcelona miterleben durften (0 zu 4 und das Ende der Ära Klinsmann), machten wir uns mit der vertrauensvollen Airline „Vueling“ auf den Weg gen Westen nach Portugal. Wir verbrachten ein paar Tage in Lissabon bei Dauerregen meist im Hotel, dann ging es am Spieltag früh morgens mit dem Zug von Lissabon nach Porto. Unser Gepäck ließen wir in Lissabon im Schließfach zurück. Somit waren wir mobil und frei wie die Vögel und für alle Eventualitäten vorbereitet – man weiß ja nie was sich der Engländer einfallen lässt. Zugfahren in Portugal ist sehr günstig und angenehm. Man benötigt eine Reservierung, hat dann aber auch sicher seinen Sitzplatz. Der Nachteil: Wenn man keine Reservierung hat kann man nicht mitfahren. What ever: Der Schnellzug war zwei Stunden unterwegs und kostete günstige 20 €.

Ticketsuche am Estadio do Dragao

Nachdem wir morgens um zehn den Hauptbahnhof von Porto erreichten machten wir uns direkt auf den Weg zum Stadion um Tickets zu ergattern. Die offiziellen Ticketschalter waren fast alle geschlossen, und die Mitarbeiter in den warum auch immer geöffneten Schaltern gähnten uns nur ein müdes “sold out” entgegen. Merde. Dann ab „auf“ den Schwarzmarkt. Direkt am Stadion wurden wir schnell fündig: Ein paar Gestalten wollte uns die 40€ Tickets für schlappe 400€ verkaufen – mit Nachverhandlungen gingen sie auf 300€ pro Ticket runter. Fuck Off – nicht mit uns. Weiter ging die Suche in der Innenstadt, mal hier und da quatschten wir ein paar Leute an, aber Fehlanzeige. No Tickets available.

Sightseeing in Porto

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Nach 2 Stunden Ticketsuche, und es war jetzt nicht das WM Finale Deutschland-Argentinien, entschieden wir uns das ganze mal sein zu lassen, zu relaxen und uns die Stadt anzuschauen. Porto ist irgendwie eine düster schöne Stadt. Der Eindruck wurde natürlich durch das teilweise schlechte Wetter verstärkt, aber das war jedenfalls mein Eindruck. Sehenswerte, schöne alte Häuser wechseln sich mit teilweise sehr zerfallenen und leerstehenden Gebäuden ab. Die Stadt ist außerdem hügelig, sodass man steile Rampen laufen muss wenn man beispielsweise vom Fluß aus in den Stadtkern möchte. Die Infrastruktur mit öffentlichen Verkehrsmittel ist gut und modern. Von der sehenswerten Brücke Luís I über dem Fluß Douro hat man einen schön Blick über den Fluß und die Stadt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Innenstadt befindet sich der Stadtteil “Vila Nova de Gaia” mit sehr vielen Portweinstuben. Unsere nächste Anlaufstelle, nicht zur Ticketsuche, eher zum Vergessen.

Kulturprogramm Portwein statt Fußballabend

Sehr zu empfehlen auch für Ticketinhaber ist diese Seite der Flußes, vor allem wer stimmungsaufhellende Maßnahmen betreiben möchte. Im Stadtzentrum bekommt man natürlich auch Bier und Portwein, und das sogar sehr günstig, aber eine Portwein-Probe hat noch einmal seinen ganz eigenen Charme. Wir machten gleich zwei. Bei der zweiten landeten wir bei “Offley Porto”. In der Probierstube lernten wir auch gleich ein Gruppe ManU-Fans kennen, die den weiteren Verlauf unseres Tages entscheidend prägten. Wir tranken und quatschen einige Zeit mit den echt netten Kerlen, die unserem Klischee eines britischen Fußballfans zu 100% entsprachen. Tattoos, wenige Zähne, roter Kopf, bullig. Die Jungs waren laut ihrer Bekundung (und auch dem Aussehen nach) Althools, die europaweit schon einige Schlachten geschlagen hatten. Allesamt mit Stadionverbot, sehr fotoscheu (wir hatten Fotoverbot!) und allseits bei den umherlaufenden Engländern bekannt. Die Jungs kannten mittlerweile unser Ticketproblem und versprachen uns zu helfen.

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porto_innenstadt

Treffpunkt der Auswärtsfans: Praça da Ribeira

Nach der Verbrüderung zogen wir mit unseren neuen Kumpels und dementsprechendem „Oberwasser“ zum Praça da Ribeira, dem Treffpunkt für Auswärtsfans in Porto. Das alle ehrfürchtig grüßten brauche ich nicht noch einmal zu erwähnen. Dort war, typisch Engländer, alles mit Bannern behangen. Die Jungs sprachen mit einem Schalverkäufer der daraufhin einen Stapel von bestimmt 50 Tickets zückte. Wir bekamen zwei Tickets für den Manchester-Gästeblock zum regulären Preis von 40€. Als er unseren deutschen Akzent hörte zögerte er und schaute irritiert unseren neuen Kumpel an, frei nach dem Motto: “Hast du den Verstand verloren”. Der gab ihm mit einem Kopfnicken das Go und schob hinterher „They´re OK“. Ein Ritterschlag und unsere Rettung.

Estadio do Dragao: Anreise und Stimmung

Der Weg zum Spiel war hektisch. Total überfüllte Metro, wir mindestens genauso voll und ohne Fahrkarte unterwegs. Die Kontrollen am Metro-Ausgang „Estádio do Dragão“ unterliefen wir im Schutze unserer ManU-Herde – ähnlich muss sich ein Knu-Kälbchen in der Serengeti beim Überqueren des Mara-Flußes fühlen. Scheiß Krokodile. Das Stadion an sich liegt am Rande der Innenstadt, gut mit der Bahn zu erreichen. Man kann aber auch in 45 min hinlaufen. Das Stadion ist umgeben von Straßen, also keine sonderlich interessant Gegend zum verweilen. Das Estadio do Dragao an sich ist ein modernes Stadion mit einer guten Akkustik. Auf den Rängen herrscht eine gute Stimmung. Anders als in Deutschland verteilt sich die Stimmung auf alle Tribünen. Etwas störend war bei Wind und Regen, dass die Tribünen hinter dem Tor nach hinten offen sind. Stichwort: “Waagerechter Regen”.

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ManU-Fan_beim_fc_porto
porto_innenstadt

Das Spiel war bei diesem Trip eigentlich das Langweiligste. ManU gewann mit 1 zu 0 durch ein Tor von Christiano Ronaldo. Interessanter war das Innenleben des Blocks. Überrascht hat mich die etwas lahme Stimmung im ManU-Block. Einzig mein zehnjähriger Sitznachbar (also wir standen schon alle) schrie neben mir permanent Rooooooooney – der Typ ist dort wirklich ein Gott, weil er genauso gut mit uns und den Ex-Hools die Weintour hätte mitmachen können, vorstellbar zumindest. Beeindruckend finde ich bei den Engländern bei aller Härte auch immer wieder die Fairness, auf und neben dem Platz. Nach dem Spiel applaudierten die ManU-Fans für die aus dem Stadion gehenden Supporter des FC Porto. Dieser gegenseitigen Bekundung des Respekts folgte über die Absperrung hinweg der Austausch der Fanschals. That´s very British.

Wie zu Beginn bereits erwähnt. Wir waren auf Sparkurs und das bedeutete auch kein Hotelzimmer zu nehmen, sondern Kneipen als Aufenthaltsräume zu nutzen. Früh morgens ging es dann mit dem Zug wieder Richtung Lissabon. Denke die Kneipentour war letztlich genau so teuer wie ein Hotelzimmer. Nach schönen 24 Stunden kamen wir fix und fertig wieder in Lissabon an. Boa Noite e até a proxima vez em Porto.

Bildquellen

  • Luis_I_bruecke_porto: Tim Moser / europapokal.de
  • portweinprobe_porto: Tim Moser / europapokal.de
  • portwein_probe: Tim Moser / europapokal.de
  • gaesteblock_fc_porto: Tim Moser / europapokal.de
  • estadio_do_dragao_tribuene: Tim Moser / europapokal.de
  • gaesteblock_in_porto: Tim Moser / europapokal.de
  • ManU-Fan_in_porto: Tim Moser / europapokal.de