Paris die Zweite: Biernotstand in der Stadt, Chancenflut auf dem Platz

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Am frühen Dienstag morgen startete der dreiköpfige Grünstadter Stoßtrupp zum letzten Gruppenspiel der Deutschen, was auch gleichzeitig die letzte Tagesfahrt zu einem EM Spiel für die Reisegruppe bedeutete. Ab der Hauptrunde ist das bewährte Wohnmobil dann auf seiner persönlichen Tour de France. Gegner war am Dienstag Nordirland, wobei sich das Wort Gegner bei der Freundlichkeit der „Boys in Green“ fast verbietet. Kaum hatten wir das Parkhaus in Paris verlassen stürmte bereits der erste Nordire auf uns zu, umarmte uns und wünschte ein gutes Spiel. Diese Begegnungen wiederholten sich im Laufe des Tages etliche Male.

Unsere Erfahrungen, die wir bisher auf unseren Reisen gemacht haben, dass die Deutschen stets in der deutlichen Überzahl sind, wurden eines Besseren belehrt. Man suchte am Dienstag mit Mühe weiße Trikots in einem Paris, dass völlig in die Farbe Grün getaucht schien. Neben der Freundlichkeit zeichnet den Iren eine besondere Verbundenheit zum Gesang gepaart mit überdurchschnittlichem Durst aus. Auf dem Champs-Élysées kam uns aufgeregt ein deutscher Fan entgegengerannt: „Jungs wisst ihr wo es hier noch Bier gibt?“ Tatsächlich war rund um den Eifelturm und den Triumphbogen nahezu jeder Kiosk und Supermarkt leergekauft. Die Gesangeskreativität der Nordiren zeigte sich in der Pariser Metro auf dem Weg zum Stadion. Als die britischen Fans eine junge Mutter mit Baby erblickten stimmten alle Fans ein leise gesungenes Schlaflied an.

Schweizer Flagge als Sicherheitsrisiko

Das mittlerweile gewohnte Bild zahlreicher schwer bewaffneter Polizisten fiel hingegen nicht mehr auf. Ob im Bemühen um die maximal mögliche Sicherheit teilweise ein falscher Fokus gelegt wird, bleibt fraglich. Wir wollten im Pariser Stadtzentrum in die Metro steigen und gingen zu diesem Zweck in die unterirdische Station. Die Sicherheitskräfte verlangten doch tatsächlich von tausenden Fans, die zum Stadion fahren wollen, dass diese sich an einen der drei Ticketautomaten anstellen und für 1,60 EUR Ihr Ticket lösen sollten.

Innerhalb weniger Minuten war die Station so überfüllt, dass eine Massenpanik kurz bevor stand und manchem die schrecklichen Bilder der Loveparade in Duisburg in den Kopf schossen. Zum Glück hatte die Polizei ein Einsehen und öffnete die Schleusen zu den Bahngleisen. Bei Einlass ins Stadion mussten wir einen vor uns anstehenden Schweizer Fan trösten. Er wollte seine Landesflagge mit ins Stadion nehmen und musste diese gezwungenermaßen in den Mülleimer werfen. Angeblich würden Flaggen, die nicht den beiden spielenden Mannschaften zuzuordnen sind, unnötige Aggressionen schüren.

Tolle Stimmung im Prinzenparkstadion

Nachdem wir mittlerweile das schmucke Stade Pierre-Mauroy in Lille und das riesige Stade de France besuchten, fanden wir mit dem Parc des Princes ein architektonisch interessantes Stadion vor, das in seiner jetzigen Form seit 1972 besteht und für die EM modernisiert wurde. Die Stimmung im Stadion war ähnlich wie in der ganzen Stadt ausgelassen und friedlich. Der irische Block feierte 90 Minuten Will Griggs, die deutschen bestaunten die vielen Chancen und zwischendurch mit ein wenig Neid auch die tolle Party der Iren, die bis weit nach Abpfiff im Stadion blieben. In den neutralen Bereichen schlossen sich viele Deutsche der Party an. Hier zeigt sich die ganze Kraft des Fußballs der so viele Völker friedlich zusammen feiern lässt. In diesem Sinne. Wir freuen uns auf die Slowaken und wünschen unseren Freunden aus Nordirland viel Glück und eine tolle Party gegen Wales.

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  • Kimmich-Doppelgänger: Bildrechte beim Autor